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Ray Wilson 2013
                 Wo viel kopiert wird, wird wenig kapiert
                                                        Andreas Tenzer


Ray Wilson, Kulturwelten Helmbrechts 18.10.2013


Kein Wunder, dass Ray Wilson in Helmbrechts hemdsärmlich und mit zerissener Jeans die Bühne betrat, hat er doch der Jeans bis heute viel zu verdanken. Denn ein Werbespot zur 501 von Levis wurde schnell zum Hit und der Schotte Wilson mit seiner damaligen Band Stiltskin Europaweit bekannt. Nach dem Ausstieg von Phil Collins als Sänger wurde er von den beiden verbliebenen Mitgliedern Rutherford und Banks als neuer Sänger engagiert. Da das daraus entstandene Album Calling all Stations nicht sehr erfolgreich war, wurde Genesis danach erst einmal zu Grabe getragen und das Kapitel Genesis und Wilson beendet. Der arbeitete weiter an seiner Solokarriere, aber trotz inzwischen eigener Alben und Songs ist das Kapitel Genesis für ihn bis heute trotzdem nicht beeendet. Mit seinem Projekt Genesis symphonisch ist er bei den Hembrechtser Kulturwelten zu Gast. Gleich zweimal, denn innerhalb kürzester Zeit war Konzert Nummer eins ausverkauft und auch für die Wiederholung am nächsten Tag gab es keine Karten mehr im Vorverkauf.

Die Musik von Genesis lockt auch heute noch die Menschen in Scharen aus dem gemütlichen Wohnzimmer in den proppevollen Bürgersaal und ich bin mir sicher, dass auch ein weiteres Konzert ruckzuck ausverkauft werden würde. Warum? Weil die Musik einfach wunderschön ist und weil Ray Wilson es perfekt versteht Genesis /Peter Gabriel oder Phil Collins Songs live zu präsentieren. Er hat nicht die ganz so markante Stimme eines Phil Collins, ist nicht so introvertiert wie ein Peter Gabriel, aber trotzdem eine richtig tolle Alternative.

Und da steht er dann mit seinem T-Shirt und seiner Jeans, ungestylt in Turnschuhen auf der Bühne und wil optisch irgendwie so gar nicht zu den beiden totschick gekleideten Damen des Berlin Symphony Ensembles passen. Musikalisch dafür umso mehr. Alle die den Schotten bisher noch nicht gehört haben, sind sicher spätestens nach dem zweiten Song des Abends Another Day in Paradise restlos überzeugt, dass die Musik von Genesis, Ray Wilson und die klassische Begleitung einfach ganz toll zusammenpassen. Großen Anteil daran hat natürlich auch der Bruder von Ray Steve und besonders Pianist Derek Tarczewski, der nicht nur mit seinem gefühlvollen Klavierspiel sondern auch als Sänger voll punkten konnte. Denn der Abend ist kein rein auf Ray Wilson zugeschnittener Konzertabend, immer wieder gibt er seinen Mitmusikern Raum sich zu beweisen und zu entfalten und verlässt die Bühne. Und die wissen ihn zu nützen auch für den einen oder anderen Klassik-Ausflug der eigentlich so gar nichts mit den poppigen Mainstream-Songs späterer Jahre zu tun hat.

Auch richtig swingen kann die Band und bewies dies bei Swing your Bag, einer von Ray Wilsons eigenen Songs und Prog-Rock Klänge sind natürlich auch kein Problem für die Musiker, die als harmonisches Ganzes einen sehr gelungenen Konzertabend abrundeten. Da störte auch kaum, dass das Bühnenlicht immer wieder einmal ausfiel, was Ray Wilson mit Humor nahm. Überhaupt ist der Sänger einer, den durchaus einmal der Schalk reitet und der aus seinem langen Musikerleben genug amüsantes erzählen kann. Das kam an diesem Abend leider etwas zu kurz, genauso wie die rauherere Seite des Sängers. Denn richtig dreckig klingen und rockig von Leder ziehen, das hat er auch problemlos drauf. Bei Mama hat er das angedeutet, mein absoluter akustischer und optischer Höhepunkt eines Konzertes mit vielen Genesis-Hits. Und das beendete Ray Wilson mit der Zusicherung, dass er die Handys der Konzertbesucher sicher nicht nach dem Konzert abhören werde. Die NSA-Affäre lässt grüßen. Hätte er aber ruhig können, er hätte viel Lob eines entzückten Publikums vernommen, das ihn und seine Mitmusiker mit Standing Ovations feierten.


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